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Mittwoch, 13. November 2019
ASSE II - wichtigste Kritikpunkte

Fehlende Standsicherheit und Absaufen der Grube


Schon während der Einlagerungszeit warnten Kritiker vor konkreten Mechanismen, durch die die Grube jederzeit absaufen und einstürzen könne. Eine diesbezügliche Studie, die ein Braunschweiger Wasserbau-Ingenieur 1978 vorlegte, wurde nie wiederlegt. Bis heute haben weder der Betreiber noch die Aufsichtsbehörde eine Analyse möglicher Auswirkungen von Absaufen und Einsturz vorgelegt, noch den Versuch eines Langzeitsicherheitsnachweises unternommen.
Aus 1993 stammt eine "Gefahrenabschätzung für die Schachtanlage Asse", die das Niedersächsische Landesamt für Bodenforschung, das Oberbergamt in Clausthal-Zellerfeld und das Bergamt Goslar im Auftrag des Niedersächsischen Umweltministeriums erstellt haben. Diese Gefahrenabschätzung kommt zu der simplen Feststellung: "Da die Aktivität der eingelagerten Radionuklide abklingt, wird die von den in der Schachtanlage Asse lagernden radioaktiven Abfällen ausgehende denkbare Gefahr stetig geringer". Allerdings sagt dieser Satz mehr über das Gefahrenbewußtsein der Autoren, denn über die Gefahrenlage in der ASSE II aus. Denn man könnte auch zu folgendem Schluß kommen: Da die Zersetzungprozesse der rostenden Atommüllfässer immer weiter fortschreiten, die Standsicherheit des Grubengebäudes mit seinen Hohlräumen aufgrund der Gebirgsdrücke immer gefährdeter ist und die Laugenzuflüsse nicht abnehmen, wird die von den in der Schachtanlage Asse lagernden radioaktiven Abfällen ausgehende denkbare Gefahr stetig größer.
Dazu stellt die Studie aber nur fest: "Über die möglichen Auswirkungen eines nicht mit letzter Sicherheit auszuschließenden, nicht mehr beherrschbaren Wassereinbruchs in das Grubengebäude der Schachtanlage ASSE II auf die Umgebung liegen keine aktuellen Untersuchungen vor." Ebenfalls völlig fehlt ein Langzeitsicherheitsnachweis, immerhin sind die Abfälle über zig- bis hunderttausenden von Jahren gefährlich. Doch eine solcher Nachweis soll erst bis zur geplanten Stillegung der ASSE II, etwa 2013 erstellt werden. Haken an der Sache: Auch die Stillegung soll nicht nach dem Atomrecht, also mit Öffentlichkeitsbeteiligung und Erörterungstermin stattfinden, sondern allein nach Bergrecht.
Andauernde Laugenzuflüsse und die damit verbundenen Gefahr des Absaufens und Einstürzens des Grubengebäudes prägen bis heute die Auseinandersetzung um die ASSE II. Mehr dazu unter "Aktuelles zur Asse".

Keiner weiß, was in der ASSE II tatsächlich eingelagert worden ist
 

In der ASSE lagern über 126.000 Fässer Atommüll. Der Inhalt wird zwar als schwach- und mittelaktiv bezeichnet und die Ablieferer sind bekannt. Das heißt aber nicht, daß das radioaktive Inventar der ASSE II bekannt wäre. Eine Produktkontrolle gab es während der Einlagerung nicht. Statt dessen erfolgte nur eine "Selbstdeklaration" durch die Anlieferer.
Spätestens seit dem Transnuklear-Skandal in den 80er Jahren ist bekannt, daß solche Selbstdeklarationen in vielen Fällen nicht mit dem tatsächlichen Inhalt übereinstimmen. Dabei kamen sowohl Inkompetenz, Schlamperei und fehlende Kontrolle ans Licht, wie auch gezielte Fälschung bis hin zur Bestechung von Strahlenschützern. Furore machten die sogenannten "Blähfässer". Im Zwischenlager Gorleben wurden Fässer entdeckt, deren Deckel aufgebläht waren, in denen also eine unerwartete Gasentwicklung stattfand. Infolge dieser Phänomene und der im Rahmen des Transnuklear-Skandals aufgedeckten Falschdeklarationen von Abfallfässern, wurden sämtliche in Gorleben zwischengelagerten 1300 Fässer zur Untersuchung nach Jülich verbracht, um sie dort auf ihre Inhaltsstoffe zu untersuchen. Keines der untersuchten Fässer hatte eine gültige Dokumentation, 45,6% der Fässer mußten nachkonditioniert werden und bei 15% der Fässer wurde sogar eine zerstörende Prüfung vorgenommen, da anhand verschiedener zerstörungsfreien Prüfungen sicher festgestellt wurde, daß die tatsächlichen Inhaltsstoffe nicht mit den angegebenen übereinstimmten. Es muß davon ausgegangen werden, daß eine Bilanz in der ASSE nicht besser ausfallen würde. Allerdings ist eine solche, eigentlich gebotene Überprüfung gar nicht mehr möglich, weil die Fässer nicht-rückholbar eingelagert wurden. Und wenn man nicht weiß, was genau in der ASSE II vergraben ist, kann man natürlich auch nicht wissen, was eines Tages rauskommen kann, eine belastbare Gefahrenabschätzung ist nicht möglich.

 
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